Medizin zwischen Technik und Humanität

Der Patient und die Technik

Viele Menschen vertrauen auf diese moderne Medizin und sehen die Gesundheit als “verbrieftes” Recht an. Der Kranke findet es selbstverständlich, dass alle möglichen Behandlungen und wirksamsten Medikamente und modernste Apparate für ihn grenzenlos zur Verfügung stehen. Die Kosten trägt nicht der einzelne Patient, sondern sie werden im Sozialstaat der Allgemeinheit aufgebührtet. Jedoch ist der Kranke oft wenig gewillt, von seinen liebgewordenen “Lebensgewohnheiten” zu lassen. Viele Bürger meinen, der Arzt sei ein KFZ-Mechaniker, der je nach Bedarf abgenützte Teile ausbauen und neue Ersatzteile wieder einbauen kann. Der Mensch ist aber – zum Glück – keine Maschine, bei der “lebensnotwendige” Teile beliebig oft ausgetauscht werden können.
Für viele Menschen ist eine Krankheit nicht mehr ein naturgegebenes Schicksal sondern eine vorübergehende Unpässlichkeit, die der Arzt zu heilen hat. Ein großer Teil der Bürger erwarten von einem Sozialstaat den totalen medizinische Service. Das ist und bleibt eine Fiktion.

Darf die Medizin alles tun?

Bei all diesen medizinischen Fortschritt ergibt sich Frage: Darf die Medizin alles tun, was technisch machbar ist? Aufgrund er großen Möglichkeiten, die insbesondere auf dem Gebiet der Lebensverlängerung und der Chirurgie zur Verfügung stehen, muss diese Frage diskutiert werden.

Vom Arzt der Zukunft wird wesentlich mehr verlangt werden müssen als nur die Beherrschung seines eng umgrenzten Faches. Trotz der technischen Fortschritte darf der Arzt die Medizin nicht als eine Technik missverstehen, die leben verlängert oder verkürzt, Geburt und Sterben kontrolliert und das Bewusstsein und die Persönlichkeitsstrukturen des Patienten verwandelt.

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