Karl May und sein Erfolg

Erwachsene lesen gerne Karl May

Auch mancher Erwachsene vermag in der Freundschaft mit Karl Mays Helden Befriedigung empfinden, indem er sich durch sie in die eigenen Entwicklungsjahre zurückgesetzt fühlt. Eine Zeit in der tausende Zukunftspläne lockten, in eine Zeit, in der fast die ganze Fülle des Lebens noch offen stand. Spätere Entschlüsse im Leben engen das eigene Leben oft schmerzlich ein, bis das Leben nur mehr in einer eintönigen schmalen Bahn verläuft.
Die Sehnsucht eines Ausbruchs aus bestehenden Zwängen und dem Entdecken neue Ziele, tragt nicht nur der Mensch des 21. Jhdt in seinem Herzen, sondern auch der des 19. Jhdt. Karl Mays Erzählungen befriedigen diese Sehnsucht und ermöglichen dem Leser eine – zumindest – seelische und geistige Flucht aus seinem grauen Alltag.

Zurück zur Natur

In der zweiten Hälfte des 19. Jhdt setzte eine regelrechte Flucht in die Natur ein. Der Mensch besann sich der Schönheit der Natur und entdeckte die Freiheit fernab der Zwänge des herrschenden Bürgertums. In den ausgedehnten Landschaftsbeschreibungen Mays konnte der Mensch Reisen unternehmen und Länder kennen lernen die für einen Durchschnittsbürger des 19. Jhdt. und in den Anfängen des 20. Jhdt. unvorstellbar waren. Die Romantik des Lagerfeuers und der Nächte unter sternklarem Himmel selbst zu erleben, war für den damaligen Menschen und – auch einem überwiegenden Teil der Menschen des 21. Jhdt. – sehr unwahrscheinlich. In Karl Mays Erzählungen kann der Mensch die Unberührtheit der Natur erleben.

“Auf den Pfaden, die Winnetou und Old Shatterhand reiten, werden keine Niederträchtigkeiten geduldet!“ Winnetou in „Weihnacht“

Karl Mays religiöse Einstellung ist durchdrungen von Nächstenliebe, Hilfsbereitschaft und dem Glauben an das Gute in der Welt. Die Helden Karl Mays sind die Helfer der Wehrlosen, Unterdrückten und Benachteiligten, sowie die Rächer der Getöteten und Ermordeten. Aber zumeist tötet der Held nicht selbst: er überlässt die Räuber und Banditen ihrem unmissverständlichem tödlichen Ende. Das Schicksal hat gerichtet. Winnetou und Old Shatterhand verzeihen ihren Feinden und werden somit Zeugen des christlichen Glaubens. Karl May präsentiert sich in seinen Romanen als gläubiger Christ, der jedoch jeden Andersgläubigen respektiert und achtet. Mehr als durch Worte predigt er durch Taten: „Du brachtest keine Lehren, du sagtest keine Worte, aber sprachst in Taten. Du lebtest ein Leben, welches eine hinreisende und überzeugende Predigt deines Glaubens war. Wir waren dein Begleiter und lebten diese Leben mit. Der Inhalt des deinigen war Liebe, nichts als Liebe. Wir lernten diese Liebe kennen und liebten zugleich dich. Wir konnten nicht von dir lassen und dadurch auch nicht von ihr. Sie wurde größer und immer mächtiger in uns; sie umfasste nicht bloß dich, sondern nach und nach auch alle, mit denen wir in Berührung kamen. Jetzt umfängt diese unsere Liebe die ganze Erde und alle Menschen, die auf ihr wohnen.“ Omar Ben Sadek zu Kara Ben Nemsi in „Am Jenseits“

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2 Responses to Karl May und sein Erfolg

  1. Manuel sagt:

    Toll – diese Indianer ;)

    • Hallo Manuel,

      Ja, die Indianer sind wirklich toll, genauso wie dein Kommentar! Schöne Ostern!

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