
Karl May, im sächsischen Ernstthal westlich von Chemnitz 1842 geboren und 1912 in Radebeul verstorben, erlangte mit seinen fiktiven Reiseerzählungen Weltruhm. Seine Werke umfassen etwa 90 Einzelbände, wobei jeder Roman um die 500 Seiten lang ist. Der überwiegende Teil der Romane Karl Mays erzählen von den Abenteuern, die Winnetou und Old Shatterhand während der Besiedelung der USA im ausgehenden 19. Jhdt erlebte, sowie die Erlebnisse des Kara Ben Nemsis im Orient.
Karl Mays Werke sind in mehr als 200 Millionen Exemplaren verbreitet, nicht mitgerechnet die zahlreichen Übersetzungen: Mays Romane wurden in über 30 Sprachen der Erde übersetzt, sogar in die Blindenschrift und ansatzweise in die Plansprachen Esperanto und Volapük. Die Karl-May-Leserschaft, die sich seit dem Erscheinen des ersten Bandes der Gesammelten Werke gebildet hat, wird heute zwischen 250 – 300 Millionen Leser geschätzt.
Bei solch einem überragenden und anhaltenden Erfolg stellt sich die Frage: Wer liest Karl May? Warum konnte und kann Karl May seine Leser gewinnen? Was macht das Phänomen May aus?
Die Leser Karl Mays
In den Meinungsumfragen zeigt sich immer wieder aufs Neue, dass zumeist Buben im Alter zwischen 9 – 14 Jahren Karl May lesen. Aber auch Mädchen greifen in diesem Alter gerne zu Karl May, dessen Helden sie bewundern können und von denen sie sich beschützt fühlen. Darüber hinaus entwickeln Mädchen durch Karl Mays Romane einen Amazoneninstinkt, der ihnen im späteren Leben nützen kann.
Was würde Old Shatterhand dazu sagen?
Vor allem ist Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi der Inbegriff der Wunschträume jener Jugendlichen, die eben dem Märchenalter entwachsen sind. Der Knabe möchte in den Jahren des Heranreifens Anerkennung für seine Leistungen, für seine Körperkraft, seine Geschicklichkeit und seine Interessen finden. Anderseits beurteilen Burschen sachlich und streng ihre Kameraden. Besonders gilt der Stärkste etwas, und ein anerkannter Führer wird nur der Knabe, der neben dem körperlichen Geschick auch über einen guten Verstand verfügt und der Gruppe kameradschaftlich Anregungen geben kann.
In der nie versagende Klugheit, dem unerschütterliche Mut und der überlegenen Kraft Old Shatterhands und Kara Ben Nemsis findet sich der junge Leser wieder, der sich soeben selbst in der Entwicklungsphase befindet.
Die Beliebtheit Karl Mays und sein Einfluss auf seine junge Lesegemeinschaft geht munter soweit, dass sich die Jugendlichen nicht fragen, was würden meine Eltern zu diesem oder jenem sagen, sondern: “Was würde Old Shatterhand dazu sagen? Wie würde er in dieser Situation handeln?”
Der “Hunger nach Persönlichkeit”, den vielen Menschen, insbesondere der junge Mensch, in sich trägt wird mit Karl Mays Helden befriedigt. Mühelos fühlt sich der Jugendliche auf die höchsten Gipfeln des menschlichen Seins emporgetragen und erlebt damit ein Scheinbefriedigung.
Schulzwänge und oftmals die häusliche Enge und Not verwehren dem Jugendlichen den Weg in die weite Welt. Daher strebt er zumindest in seinen Träumen und Büchern aus seiner engen Welt heraus und wird zum Helden, Räuber, Weltreisenden und Abenteurer. Bei der Begegnung mit Old Shatterhand gehen seine Wünsche in Erfüllung.
Toll – diese Indianer
Hallo Manuel,
Ja, die Indianer sind wirklich toll, genauso wie dein Kommentar! Schöne Ostern!